REKTORATSKIRCHE ST. SEBASTIAN - SALZBURG
PRIESTERBRUDERSCHAFT ST. PETRUS

Wider die religiösen Analphabeten!

Das religiöse Unwissen ist weit verbreitet, was nicht ohne schwerwiegende Folgen bleibt. Es braucht daher neuen Eifer für religiöse Bildung.

„Wer ist der Heilige Geist?“, so lautete unlängst die Frage eines Katecheten in der Firmvorbereitung, die prompt beantwortet wurde: „Der Heilige Geist ist eine Taube.“ Diese Begebenheit, die sich tatsächlich im Unterricht so zugetragen hat, zeigt beispielhaft, daß wir in einer Zeit des religiösen Analphabetismus leben. Wir erleben heute, wie das religiöse Wissen nicht allein bei Fernstehenden mangelhaft ist, sondern auch in unseren eigenen Reihen. Bildung wird heute immer mehr durch eine Informationsflut ersetzt. Davon ist das religiöse Wissen nicht ausgenommen. Doch das kurzzeitige Abrufen von Informationen ist nicht von Bestand: so schnell die Flut hereinbricht, so schnell herrscht auch wieder Ebbe. Religiöse Bildung muß stetig erarbeitet werden, damit das Glaubensleben auf einem guten und dauerhaften Fundament steht.

Obwohl es heute so einfach wäre, beständig in der Glaubenserkenntnis zu wachsen, begnügt man sich dennoch mit dem religiösen Wissen, das man in Kindertagen erlernt und (seien wir ehrlich) nur teilweise bewahrt hat. Das Glaubenswissen nicht weniger Erwachsener ist in den Kinderschuhen stecken geblieben. Wann haben Sie, lieber Leser, das letzte Mal einen katholischen Katechismus in der Hand gehabt oder den Glauben durch ein dessen Wahrheiten vertiefendes Buch gestärkt?

Gerade in unserer Zeit ist die dauerhafte Beschäftigung mit dem Glauben von hoher Wichtigkeit. Denn religiöse Unwissenheit führt zu religiöser Sprachlosigkeit. Nicht selten sind Gläubige in Diskussionen mit Andersgläubigen überfordert, weil sie sich zu wenig mit ihrem Glauben auseinandersetzen.

Dies führt dazu, daß man verschämt schweigt, wo man bekennen müßte und könnte, denn unser katholischer Glaube ist die Wahrheit und die besseren Argumente sind deshalb stets auf unserer Seite. Sie zu kennen ist Christenpflicht. Punkt.

Denn mit dem Wissen steigen der Mut und der Eifer, Christus vor den Menschen zu bekennen: „Ich war voll Glauben, darum sprach ich ihn auch aus“ (Ps 115, 1).

Wer in die Geheimnisse des Glaubens tiefer eindringt, wird die Erfahrung des hl. Paulus machen: „Wenn ich das Evangelium verkünde, gereicht dies mir nicht zum Ruhm, weil es mir als Notwendigkeit auferlegt ist; denn wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde“ (1 Kor 9, 16). Das tiefe Glaubenswissen läßt die unverstellte katholische Wahrheit hell aufleuchten, so daß man nur froh und dankbar sein wird, trotz der heutigen Widrigkeiten in Kirche und Welt, katholisch sein zu dürfen und den Wunsch verspürt, andere Menschen ebenso an diesem Schatz teilhaben lassen zu wollen.

Viele Menschen kommen heute nicht mehr mit einem Priester in Kontakt. So ist der Laie um so mehr gefordert, dort zum Verkünder des Glaubens zu werden, wo er im alltäglichen Leben steht: am Arbeitsplatz, in Schule und Universität, in der Verwandtschaft, im Verein.

Wenn der Glaube hingegen nicht von einem soliden Glaubenswissen getragen wird, kann man diese missionarische Aufgabe nicht wahrnehmen und ist anfällig für den Irrtum. Aberglaube und Unglaube wuchern häufig dort, wo die Glaubenskenntnis verloren gegangen ist.

P. Dieter Biffart FSSP

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