REKTORATSKIRCHE ST. SEBASTIAN - SALZBURG
PRIESTERBRUDERSCHAFT ST. PETRUS

Barocker Klang und klare Worte

Orgelweihe und Bischofsbesuch in St. Sebastian, Salzburg

Zeit plagten sie allerlei Beschwerden, trotz ihres jugendlichen Alters von nicht einmal zweihundert Jahren. Das feuchte Klima machte ihr zu schaffen, Schimmelpilze setzten ihr zu. Nach einem mehrmonatigen, vor allem durch Spenden finanzierten Kuraufenthalt präsentiert sie sich nun entgiftet, gereinigt und nach historischem Vorbild neu gestimmt. Der Kirchenrektor von St. Sebastian, P. Dieter Biffart, äußerte seine tiefe Dankbarkeit gegenüber der Gemeinde, deren Großzügigkeit dieses Projekt ermöglicht hatte.

„Laudate Dominum in tympano et choro. Laudate eum in chordis et organo“, heißt es im 150. Psalm, der bei der Orgelweihe im alten lateinischen Ritus rezitiert wird. („Lobt den Herrn mit Pauken und Reigen. Lobt ihn mit Saitenspiel und Flöten.“) Den feierlichen Akt vollzog am Sonntag, dem 28. August 2016, S. E. Athanasius Schneider, Weihbischof von Astana (Kasachstan). Beim folgenden Pontifikalamt zeigte die Königin der Instrumente, welcher Klangreichtum in ihr steckt. Obwohl erst 1828 von Karl Mauracher gebaut, entspricht sie dem Typus der süddeutschen Barockorgel und paßt dadurch perfekt in den Kirchenraum. Dem festlichen Anlaß gemäß wurde die Messe in F-Dur von Josef Gabriel Rheinberger gesungen, dazu das Choral-Proprium des 15. Sonntags nach Pfingsten. Bei den deutschsprachigen Liedern stimmte die Gemeinde zusammen mit den vielen Gästen, die alle Bänke bis auf den letzten Platz füllten, nach Kräften mit ein. Groß war die Freude, die lang vermißte Orgel endlich wieder zu hören.

Weihbischof Schneider, der St. Sebastian im Rahmen eines Salzburg-Aufenthaltes besuchte, predigte über den Satz: „Sei getreu bis in den Tod und ich gebe dir die Krone des Lebens.“ (Offb 2,10) Was es heißt, den katholischen Glauben trotz aller Anfechtungen des Zeitgeists unverfälscht zu bewahren, erläuterte er mit Berufung auf den sel. Kardinal John Henry Newman: „Ist die Kirche ohne Leiden und Verfolgung, so kommt das daher, daß sie schläft und nicht die Wahrheit predigt.“ Wenn sie jedoch als streitende Kirche die Lehre Christi verkündet, eckt sie unweigerlich an, und dies umso mehr in einer Epoche, die von der Selbstvergottung des Menschen geprägt ist. „Nur die katholische Kirche bewahrt den Menschen vor der erniedrigenden Knechtschaft, ein Kind seiner Zeit zu sein“, zitierte Schneider G. K. Chesterton (The Catholic Church and Conversion, 1926). Der Glaube gibt uns die Kraft, die Güter der Gegenwart aufzugeben im Tausch gegen die Güter der Zukunft. Unsere Zukunft aber ist die Ewigkeit.

„Wohl tobet um die Mauern / der Sturm in wilder Wut, / das Haus wird’s überdauern, / auf festem Grund es ruht.“ Unter dem Eindruck der Predigt sang man die dritte Strophe des alten Kirchenliedes „Ein Haus voll Glorie schauet“ vielleicht mit mehr Achtsamkeit als sonst. Im „Gotteslob“ ist diese Strophe freilich getilgt, als wäre die Zeit der Stürme vorbei. In Wirklichkeit tobt der Sturm längst auch innerhalb der Mauern.

Nach einer stärkenden Agape und freudiger Begegnung in geselliger Runde hielt Weihbischof Schneider einen Vortrag über „Die Unveränderlichkeit des katholischen Glaubens und die aktuelle Krise des Glaubens“, in dem er an Gedanken seiner Predigt anknüpfte. Es geht nicht nur darum, selber treu am Glauben festzuhalten, sondern auch um die Notwendigkeit, die Menschen zur Kirche hinzuführen. Dabei ist besonders der Klerus gefordert: „Die erste Sorge soll die sein, daß Christus in den Priestern gestaltet wird“, erklärte der hl. Papst Pius X. 1903. Ein Jahrhundert später hat diese Sorge nichts an Dringlichkeit verloren, zumal die Glaubenskrise ja auch den geistlichen Stand erfaßt hat.

Pius XII. erkannte die Wurzel aller Übel in der Leugnung und Ablehnung eines allgemein gültigen Sittengesetzes, dessen Fundament Gott ist. Was dieser Papst 1939 im Hinblick auf Stalinismus und Nationalsozialismus schrieb, ist von erschreckender Aktualität, denn die Entchristlichung der Gesellschaft ist weiter vorangeschritten. Pius XII. stellte Anzeichen eines neuen Heidentums in Europa fest. „Wieviel mehr würde er das heute sagen?“ fragte Schneider. Der vermeintliche Aufstieg des Menschen zur Mündigkeit hat sich als Versklavung erwiesen, die Schwächung des Glaubens untergräbt die private und die öffentliche Ordnung. Dagegen steht die katholische Kirche als „Stadt Gottes, deren König die Wahrheit ist, deren Gesetz die Liebe ist, deren Lebensform die Ewigkeit ist“, zitierte der Vortragende den Tagesheiligen Augustinus.

Der gegenwärtige Zustand der Welt sollte uns nicht verzweifeln lassen, denn Gott kann das Los einzelner Menschen ebenso wie das ganzer Völker zum Guten wenden. In Seiner Hand werden selbst Hindernisse zu Werkzeugen. Schneider rief deshalb zum Gebet auf. Dabei wandte er sich besonders an die Kinder unter den Zuhörern, denn ihr Gebet sei Gott am wohlgefälligsten. Zum Schluß ließ er noch Papst Benedikt XVI. zu Wort kommen, der Nächstenliebe nicht nur als humanitäre Hilfe verstanden wissen wollte. Die wichtigste Aufgabe der Kirche sei die Rettung der Seelen: „Die Glaubensverkündigung, die Evangelisierung, ist die höchste und umfassendste Förderung des Menschen.“

Am Spätnachmittag desselben Sonntags gab Kaplan Daniel Kretschmar ein Konzert auf der renovierten Orgel. Das mit Finesse zusammengestellte Programm enthielt einige weithin unbekannte Juwelen vornehmlich aus der Barockzeit. Der Musiker, der eine internationale Virtuosenlaufbahn zugunsten des Priesterberufs aufgegeben hat und nunmehr fast ausschließlich zur größeren Ehre Gottes spielt, entlockte dem Instrument eine erstaunliche Fülle an Klangfarben. Da die kühle Kirche Zuflucht vor der Sommerhitze bot, kamen auch viele Touristen unverhofft und bei freiem Eintritt zu einem Kunstgenuß der Sonderklasse.

Was wünscht man einer Orgel an ihrem Festtag? Ad multos annos? Das wäre fast zu wenig. Nun denn: Ad multa saecula!

Renate Langer

© Priesterbruderschaft St. Petrus, Salzburg - Österreich