REKTORATSKIRCHE ST. SEBASTIAN - SALZBURG
PRIESTERBRUDERSCHAFT ST. PETRUS

Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz

Passionspredigt 28.02.2018

Geliebte im Herrn,

nachdem Simon von Cyrene dem Herrn ein Stückweit das Kreuz getragen hat muß Er es wieder alleine tragen. Wieder lastet die ganze Wucht des Kreuzesbalkens auf seinen Schultern.

Aber nicht allein das Gewicht des Holzes trägt Er auf seinen Schultern. Nein, Er trägt die Sündenlast von Adam bis zum letzten Menschen. Die Schuld der Menschen wiegt schwerer, sie lastet am schwersten auf Seiner makellosen Seele. So schreitet der Herr voran. Die drückende Last zerfleischt ihm die Schulter, die Last der Sünde aber seine Seele. Er geht langsam, jeder Schritt ist eine Qual. Schwerer und schwerer wird die Kreuzeslast. Kaum hört er das höhnende Geschrei der Menge, Schritt für Schritt versucht er voranzukommen. Doch es wird immer schwerer. Er geht, und stolpert … und fällt zum zweiten Mal. Er sinkt zu Boden: die staubige Straße fängt ihn wieder auf, der Kreuzesbalken schlägt erneut mit aller Wucht auf ihn: In den Klageliedern des Jeremias lesen wir über den Erlöser: „Er ließ meine Zähne auf Kiesel beißen und ließ mich den Staub zermalmen. … Tief wie das Meer ist dein Sturz. Wer könnte dich heilen?“ Klgl 3,16 und 2,13

Im Staub der Straße liegend schaut der Herr nach einem Helfer. Doch um ihn herum nur der Spott seiner Feinde, die Gleichgültigkeit der Vorübergehenden, die Roheit der Soldaten.

Warum dieser zweite grausame Fall? Warum Herr, mußtest Du niedersinken, bist du doch der König der Engel?! Warum also haben sie Dich nicht aufgefangen? Aber Du bist ja nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen, zu heilen, was verwundet ist.

Du bist gekommen, den wiederholten Fall in die Sünde so vieler zu sühnen. Du fällst zum zweiten Mal, mein Erlöser, weil der Mensch zuvor immer wieder in die Sünde gefallen ist. Der Herr will durch seinen zweiten Fall auf dem Kreuzweg das oftmalige Fallen des Menschen sühnen, wiedergutmachen. Die Staubkörner auf der Straße nach Golgota lassen sich nicht zählen. Aber die Sündenanzahl ist größer: und der Herr sieht sie alle: sie sind gezählt, weil bei Gott nichts verloren geht. Er nimmt sie alle auf sich.

An dieser Kreuzwegstation lernen wir neu, wie der Herr als guter Hirt dem verlorenen Schaf nachgeht, es sucht und nicht ruht, bis er es wieder findet. Und geht das Schaf wieder verloren, will der Herr es wieder suchen, bis er es gefunden hat.

Der Heiland fällt – um zu suchen, was verloren ist, um den in die Sünde gefallenen Menschen wieder zu sich zurückzuführen. Er fällt, damit Er der gefallenen Menschheit nachgeht. Der Herr liegt im schmutzigen Staub der Straße, weil der Mensch zuvor das Kleid der Gotteskindschaft auf die Straße der Gottferne geworfen und mit dem Schmutz der Sünde besudelt hat.

Lassen wir uns den Fall des Erlösers zu Herzen gehen. Schauen wir auf den Schmerz des Erlösers. Soll diese Pein umsonst gewesen sein? Wollen wir im Angesicht von soviel Leid unseren wiederholten Fall in die Sünde nicht herzlich bereuen? Was hat es den Herrn gekostet, uns davon zu befreien?

Nicht mit Gleichgültigkeit können wir dem an der Straße kauernden Heiland begegnen. Was ist die Sünde, wenn der Preis der Erlösung so hoch ist! Aber größer ist noch die Grausamkeit, weiterzugehen und aus der Sünde nicht aufzustehen, im Angesicht solcher Liebe.

In seiner gottmenschlichen Seele sieht der Herr im Fallen den Menschen, der immer wieder in die Sünde zurückfällt. Mag es uns nicht helfen, bei der nächsten Versuchung daran zu denken? „Ich will standhaft bleiben, ich will das damalige Meer der Schmerzen nicht größer gemacht haben, indem ich hier und heute wiederum falle.“

Wenn Du aber immer wieder gefallen bist; denk daran: der Herr geht dir nach. Er ist für dich auf dem Kreuzweg gefallen, daß er dich aus der Sünde wieder aufheben kann. Kehre um, laß Dich vom Herrn versöhnen. Und wenn Du 100mal in Sünden gefallen bist – der Herr hat dich erlöst, er hat den Kreuzweg auf sich genommen, um dich wieder vom Schmutz der Sünde aufzuheben. Fallen ist das eine, liegen bleiben das andere; steh also auf, damit das Gebet wahr werde: „ach laß dein Blut und deine Pein, an mir doch nicht verloren sein.“

Der Herr will dich erheben, er hat Dir in seinem Leiden die Gnade dazu verdient. Wer immer du bist: wenn du in der Sünde liegst, schau auf den Herrn, am Boden liegend: Er ist für Dich wieder aufgestanden, um den Kreuzweg zu Ende zu gehen. Laß es nicht umsonst sein: Steh auch du wieder auf und folge dem Herrn. Kehre um, bereue im Angesicht des leidenden Jesus und laß dich mit Seinem Erbarmen beschenken.

Hier, an der siebten Station des Kreuzweges steht er aus Liebe zum gefallenen Menschengeschlecht wieder auf. Er will weitergehen. Zwar sieht er die Gleichgültigkeit um sich herum und die Kälte der Jahrhunderte in seiner Seele, und dennoch: „Ja, es gibt sie. Die Seelen, die umkehren, die nicht liegenbleiben, und es sich bequem im Sündenschmutz machen. Für diese Seelen steht der Herr wieder auf. Mit letzter Kraft rafft er sich auf und geht wieder weiter. Er sieht die Seelen die umkehren, die sein Erlöserblut fruchtbar in ihre Seelen aufnehmen und sich wieder zum Leben der Gnade aufheben, einst aber zum ewigen Leben erwecken lassen. Er sieht die Seelen, die immer wieder in die Sünden fallen, aber immer wieder aufstehen, durch aufrichtige Reue und festen Vorsatz, die Voraussetzung für eine gültige Beichte sind.

Geliebte im Herrn,

wir wollen die Fastenzeit mit Entschiedenheit gehen. Niemand ist so sehr in die Sünde gefallen, als daß der Herr ihn durch Sein Erlöserleiden nicht wieder erheben könnte. Auf Seinem Kreuzweg kommt Er dem Sünder entgegen und geht ihm voraus, auf daß sich der Himmel zur Auferstehung öffne.

So ist der Kreuzweg eine Ermutigung für unser Leben: Lassen wir uns versöhnen. Voll Erbarmen fällt Jesus dem Sünder entgegen. Antworten wir nicht mit Kälte und Hartherzigkeit, sondern mit Gegenliebe. Für jeden umkehrwilligen Sünder ist der Herr nach seinem Fall wieder aufgestanden. Lassen wir uns durch die Herzensumkehr mit empor nehmen.

Um der Wunden Jesu willen, wollen wir aber auch bitten: Laß mich nicht erneut fallen, wenn Du mich in der Beichte aus dem Schmutz der Sünde aufgehoben hast. Seien wir vielmehr dankbar. Seine Liebe ruft nach einer Antwort. Bleiben wir am Kreuzweg stehen und halten inne: das also ist der Preis für die Sünde?! Und so unendlich ist seine Liebe?!

Gruß Dir Jesus! Immer müder
Wankst Du weiter, sinkst Du nieder –
Weh´, Du fällst ein zweites Mal.
Herr, wenn Sünden sind vergeben,
hilf mir auch zu neuem Leben!
Rückfall war die neue Qual. Amen.

P. Dieter Biffart FSSP

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