REKTORATSKIRCHE ST. SEBASTIAN - SALZBURG
PRIESTERBRUDERSCHAFT ST. PETRUS

Der heilige Leichnam Jesu wird ins Grab gelegt

Passionsbetrachtung 03.2018

Geliebte im Herrn!

Nicht ohne Rührung haben wir den Herrn auf seinem Kreuzweg begleitet. Zwischen Bangen und Entsetzen, zwischen Mitleid und Bewußtsein der eigenen Schuld geht der Christ den Leidensweg vom Haus des Pilatus bis nach Golgota. Zum Ende des Kreuzweges aber legt sich ein stiller Friede auf das Herz des Beters. Er weiß: „Es ist vollbracht.“ Himmel und Erde sind wieder verbunden, das Licht wird die Finsternis verdrängen: Auf den Sonnenuntergang des Karfreitags wird der ewige Ostermorgen folgen …

Nach dem Tod des Erlösers war es schnell ruhig auf Golgota geworden. Die Schaulustigen hatten ausgegafft, die Peiniger ihre Arbeit verrichtet, die Lästerer sich genugtuend abgewendet, ohne jedoch Ruhe zu finden.

Zurück bleiben die Schmerzensmutter Maria, der hl. Apostel Johannes, einige der Frauen, die Ratsherren Nikodemus und Josef von Arimathäa.

Die beiden letztgenannten haben sich von Pilatus den Leichnam erbeten. In heiliger Ehrfurcht nehmen sie ihn nun aus dem Schoß Mariens und salben ihn mit kostbaren Spezereien vor dem Grab. Noch heute wird diese Stelle, der sogenannte Salbungsstein, am Eingang der Grabeskirche im Jerusalem kniend geküßt. Die Ehrfurcht die man dem toten Heiland zuteil werden läßt ist auch ein stilles Bekenntnis des Glaubens der Kirche: während die Seele sich vom Leib trennte, blieb der Leib mit der Gottheit stets verbunden, weshalb Er nicht der Verwesung anheimfiel.

Werfen wir nun einen Blick vom Salbungsstein zum Grab: Es ist das Grab, das Josef von Arimathäa gehörte. Er selbst hatte es für sich vorgesehen. Nun schenkt Er es Seinem Erlöser.

Das Grab lag in einem Garten. Ein Hinweis, daß der Mensch, der aus dem Garten Eden vertrieben wurde und rastlos umherirrte, nun wieder zur Ruhe kommen durfte: denn der Erlösertod öffnete wieder das Tor zur ewigen Ruhe. Christus läßt sich in einem Garten bestatten, um uns zu lehren: die Rastlosigkeit hat ein Ende, das verlorene Paradies ist uns mit Christi Sterben und Tod von neuem und in höherem Maße im himmlischen Jerusalem verheißen.

Noch ein Detail weckt die Aufmerksamkeit des Betrachters der vierzehnten Kreuzwegstation: Christus wird in ein neues Grab gelegt, in das noch nie jemand zuvor gelegt wurde; es zeigt uns:

Einst hatte Gott im Garten Eden gefragt: Adam, wo bist du? Und in der Tat: einen Steinwurf vom Grab Jesu entfernt, auf Golgota verehrt die Tradition den Ort der Begräbnisstätte Adams. Christus selbst geht dem verlorenen Adamsgeschlecht nach und sucht, was durch die Sünde verloren gegangen ist.

Deshalb hat der Herr sich dem Tod ausgeliefert, deshalb ist seine Seele im Tod zur Unterwelt hinabgestiegen. Im Glaubensbekenntnis sprechen wir ja: „hinabgestiegen in das Reich des Todes“, oder „abgestiegen zu der Hölle.“

Beides meint den Läuterungsort der Gerechten des Alten Bundes, die Vorhölle. Diejenigen, die nach ihren Kräften das Gesetz erfüllt hatten oder nach dem Fall in die Sünde reuevoll Buße taten.

Wie sehnten sie über die Jahrhunderte hinweg diesen Augenblick herbei: Adam und Eva, Abraham, Isaak und Jakob, die Propheten, die den Herrn schon vorausgeschaut hatten: jetzt dürfen sie ihn von Angesicht zu Angesicht schauen. Es ist kein ferner Traum mehr, nein, die Sehnsucht geht in Erfüllung. Der Herr kommt um ihnen ihre Befreiung zu verkünden. Es ist vollbracht! Kommt, ihr gesegneten meines Vaters, nehmt das Reich in Besitz!

Ein tiefer Friede liegt also über dem Abend des Karfreitag.

Steigen wir aus der Vorhölle wieder zurück zum Grab des Herrn: Maria harrt trauernd am Grabe aus. Doch auch in ihrem Herzen verbindet sich mit dem Schmerz über den Kreuzestod die unerschütterliche, firedvolle Hoffnung auf den Morgen der Auferstehung: sie ist treu geblieben: treu unter dem Kreuz, treu in ihrem Glauben. In ihr Herz ist die Dunkelheit des Zweifels nicht gedrungen. Still flackert das Licht des Glaubens im Inneren und ist ihr in dieser Zeit der Trennung Trost und Verheißung. Wie sie einst sehnsüchtig die Menschwerdung herbeiflehte, bittet sie auch jetzt um das Kommen des Erlösers zum endgültigen österlichen Sieg.

Auf diesen Sieg harren auch wir Christen, wenn wir unsere Verstorbenen zur geweihten Erde betten. Als Christen ahmen wir Christus im Leben nach, als Christen wollen wir auch Jesu Begräbnis nachahmen. Christsein heißt, mit Christus leben, mit Christus sterben, wie Christus ins Grab gelegt werden.

Denn auch unser Leib wird beim Jüngsten Tag zu neuem Leben erweckt werden. In diesem Glauben wollen wir auch unseren Leib voll Ehrfurcht bestatten lassen. Denn im Leben war er durch die Taufe ein Tempel Gottes, einst darf er in den Tempel des himmlischen Jerusalem einziehen um mit dem auferstandenen Christus zu triumphieren, wenn wir mit Christus gelebt haben und in der heiligmachenden Gnade gestorben sind.

Nein, liebe Gläubige, der seelenlose Körper der Toten ist kein Abfallprodukt. Nur wer das ewige Leben leugnet, kann es so sehen. Und daher war es von alters her ein heidnischer Brauch, die Toten zu verbrennen. Ist nicht die zunehmende Leichenverbrennung ein deutliches Zeichen für den Glaubensverlust unserer Tage?

Erneuern wir an dieser Kreuzwegstation den Glauben an die Auferstehung des Fleisches. Vereinigen wir uns am Grab mit der Muttergottes: sie ist still, aber nicht stumm: denn in ihrem Herzen brennt das Licht des Glaubens: „Am dritten Tage aber werde ich auferstehen.“ Amen.

© Priesterbruderschaft St. Petrus, Salzburg - Österreich