REKTORATSKIRCHE ST. SEBASTIAN - SALZBURG
PRIESTERBRUDERSCHAFT ST. PETRUS

Den Glauben richtig bekennen

Weder Feigheit noch Selbstgefälligkeit sind beim Bekenntnis des Glaubens in einer säkularen Umgebung gefragt. Es braucht den rechten Eifer.

So geht das heute oft! – Neulich konnte man in Kommentaren zur Nachrichtenmeldung über einen Gebetszug für das Leben ungeborener Kinder in einer deutschen Großstadt lesen: „Verrückte“ mit „mittelalterlichen Ansichten“; einige Leser stimmten dem zu, kaum jemand widersprach. Waren katholische Prinzipien und Positionen noch bis in die jüngere Vergangenheit Allgemeingut, so werden zwischenzeitlich Katholiken, die sich für Gottesrechte, für Ehe und Familie oder eben für das ungeborene Leben einsetzen, belächelt, verspottet oder gar angegriffen.

Wie konnte es soweit kommen? Zu lange haben Katholiken geschwiegen oder sind kleinlaut geblieben, während andere nieder- und herunterrissen, was unveränderlich wahr und gut ist. Es ist Zeit, daß die Katholiken aus ihrem „Dornröschenschlaf“ erwachen und mutig die Wahrheit bekennen: „Jeder, der sich zu mir vor den Menschen bekennt“, sagt der Herr, „zu dem wird sich auch der Menschensohn bekennen vor den Engeln Gottes. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, der wird verleugnet werden vor den Engeln Gottes“ (Lk 12,8 f).

Es gibt zum Beispiel ein Zaudern vor dem Bekenntnis, das aus Unwissenheit der Inhalte rührt – wir müssen also unseren Glauben beständig vertiefen. Doch während sich die einen in ein Schneckenhaus verkriechen und den Mund nicht aufkriegen, schießen andere über das Ziel hinaus: Sie bekennen, ohne recht zu kennen, was sie herausposaunen, ohne auf ihr Gegenüber zu achten und ohne Einsicht in die Regeln des Anstands und der Klugheit. „Der Ton macht die Musik!“, das weiß der Volksmund.

Wer den Glauben bekennt und den Irrenden einen Weg zu weisen sucht, muß dabei allein die Ehre Gottes und das Heil der Seelen im Blick und freundliche Zuneigung im Herzen haben! Das weisende Wort darf nicht aus Selbstgefälligkeit motiviert sein. Solch eine Haltung würde vielmehr Selbstsucht offenbaren, die nicht allein dem Seelenheil des anderen schadet: „Unseliger Sieg, wenn du über einen Menschen triumphierst und dabei dem Bösen in dir unterliegst!“ (hl. Bernhard von Clairvaux)

Vielmehr muß das Wort der Wahrheit immer in der Liebe gesprochen werden, denn ohne die Liebe ist die Wahrheit hart, ohne Wahrheit aber wird die Liebe zur sanften Lüge.

Die übernatürliche Liebe sucht nicht unlauter den eigenen Vorteil, sondern das Heil (vgl. 1 Kor 13).

Das wahre Wort in rechter Weise zu sprechen, ist eine Kunst, die natürlichen Anstand und Lauterkeit, Klugheit und Gefügigkeit gegenüber den Einsprechungen des Heiligen Geistes voraussetzt, um die man beten muß. Die Heiligen waren Meister darin, zu suchen, was verloren ist. Oft begegneten sie den Suchenden mit großer Güte, Geduld und Nachsicht und öffneten mit dem Schlüssel der Sanftmut die Tür zur Wahrheit: „Mit einem Tropfen Honig fängt man mehr Fliegen als mit einem Faß Essig“, sagte der Hl. Franz von Sales - und ging mit gutem Beispiel voran: Als Bischof des protestantischen Genf mußte er sich häufig mit albernen Fragen und Vorurteilen auseinandersetzen. Und doch nahm er alle mit großer Güte auf, auch jene calvinistische Dame, die ihn beinahe täglich mit einem ungeheuren Wortschwall und lächerlichen Angriffen auf die Katholische Kirche belästigte. Sachliche Argumente nutzten nichts, so daß der Heilige sich auf gütige Aufmerksamkeit beschränkte. Ganz besonders störte sich die Frau am Zölibat der Priester, den sie als „Tyrannei Roms“ betitelte. Nachdem dieselben Angriffe immer wieder vorgebracht wurden, antwortete der „Heilige der Sanftmut“: „Ach, Madame, wenn ich noch Frau und Kind hätte, - glauben Sie, daß ich dann Zeit fände, Sie so oft und so lange anzuhören?“ Die Frau war von dieser Antwort getroffen, und schwor wenig später dem Unglauben ab …

Bei Diskussionen über den Glauben ist es wichtig, daß man nicht provoziert und sich nicht provozieren läßt, gar eher ein Gespräch beendet, bevor es zum Streit kommt. Gespräche über Gott sollten deshalb in weiser Voraussicht mit Gott im Gebet vorbereitet und begleitet werden. Wenn der Same nicht sogleich aufgeht, braucht es eben mehr Gebet als Worte.

Die Worte sollten jedenfalls mit Bedacht gewählt werden. Es geht schließlich um die Ewigkeit! Werden nicht auch wir für das leichtfertige Wort, das dem Gesprächspartner die Wahrheit vermauert, zur Rechenschaft gezogen werden? Kommen wir daher unserem Gegenüber in der Art und Weise unserer Darlegungen möglichst entgegen, ohne ein „Iota oder Strichlein“ (vgl. Mt 5) vom Gesetz wegzunehmen. Versetzen wir uns in die Lage des anderen, setzen wir beim anderen guten Willen voraus, und suchen wir auf diese Weise mit Christus zu retten, was verloren ist.

Die Fähigkeit geduldig zuzuhören ist bei Glaubensgesprächen ebenso wichtig, wie das rechte Wort. Im Zweifelsfall ist es besser, den rechten Zeitpunkt abzuwarten, als vorschnell zu reagieren. Es braucht den äußeren Rahmen, Zeit und Ruhe, um über die großen Fragen der Ewigkeit fruchtbar sprechen zu können.

Schließlich wird unser Glaubensbekenntnis in einer gottfernen Umgebung nur dann wirksam und gewinnend sein, wenn es gelebt wird. So konnten schlichte Worte, von Heiligen gesprochen, oft Menschen zur Umkehr bewegen, während der Mangel an Gottverbundenheit und Demut, dem Glaubenszeugnis schadet. Reden wir also nicht so sehr von Gott, wenn wir nicht gefragt werden, aber leben wir so, daß wir gefragt werden. „Führt einen ehrbaren Wandel unter den Heiden; dann werden sie, die euch als Übeltäter verleumden, eure guten Werke sehen und Gott preisen am Tag der Heimsuchung (1 Petr 2,12).“

P. Dieter Biffart FSSP

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