REKTORATSKIRCHE ST. SEBASTIAN - SALZBURG
PRIESTERBRUDERSCHAFT ST. PETRUS

Alles, was ich bin, verdanke ich meiner Mutter

Der „Muttertag“ ist vom flüchtigen Konsumrausch überlagert. Dabei gäbe es genug Anlaß, diesen Tag im christlichen Geist zu bedenken.

„Alles, was ich bin, verdanke ich meiner Mutter!“ Das bekennt der hl. Augustinus (+ 430) nach seiner Bekehrung voll Ehrfurcht gegenüber seiner frommen Mutter, der hl. Monika.

Heute tut es Not, die Würde der Frau als Mutter wieder neu zu entdecken. Denn obwohl viel über „Frauenrechte“ und „Verwirklichung der Frau“ gesprochen und gestritten wird, ist die Frauenwürde verdunkelt – nicht zuletzt durch die Weigerung, Mutter zu werden: neues Leben schenken und hüten zu können.

In der Annahme dieser Gabe offenbart sich aber die wahre Würde der Frau, findet sie ihren Platz im Schöpfungswerk: „Als Gott dich ins Leben rief, glaubte Er, Seiner Güte nur dadurch genügen zu können, dass Er dir eine Wiege im Herzen der Mutter bereitete.“ (P. Henri Lacordaire OP)

Der Muttertag mahnt an, was jeder Mensch seiner Mutter täglich schuldig ist: Ehrfurcht und Dankbarkeit. Im dankbaren Blick auf die eigene Mutter sind vor allem die christlichen Männer eingeladen, ehrfürchtig auf alle Frauen zu blicken. Denn jede Frau trägt in sich das Geheimnis, das jedermann das Leben geschenkt hat.

Wenn die Frau diese Gabe in sich entdeckt, und von dort aus ihre Würde lebt, wird sie vor vielen Fallstricken unserer Zeit bewahrt bleiben, die die Frau im Namen der sogenannten „Freiheit“ zum Objekt der männlichen Begierde erniedrigen, etwa durch schamlose Kleidung, durch Unzucht, künstliche Verhütung und Abtreibung.

Viele Frauen sind heute auf der Suche nach Entfaltungsmöglichkeiten. In zahlreichen Berufen bringen sie ihre Talente ein und suchen sich auf diese Weise zu verwirklichen. Trotzdem darf niemals vergessen werden, dass der Schöpfer ihr gerade die Gabe, Mutter zu werden, zur Entfaltung eingeschrieben hat. Liegt nicht gerade auch darin eine Antwort auf die Suche vieler Frauen nach einem erfüllten Leben?

Dies gilt nicht allein für die leibliche Mutterschaft. Wenn eine Frau sich Gott weiht, den Ruf der engeren Nachfolge Christi geht und etwa in ein Kloster eintritt, oder wenn eine Frau keine Kinder bekommen kann, ist sie in ihrer von Gott geschenkten Verfasstheit dennoch berufen, Mutter zu sein; auf eine geistige Weise – in ihrer Zuwendung zum Nächsten, im sich Verschenken, wie es den Müttern einzigartig gegeben ist. Hierin liegt das Spezifische der Frau, mehr für die anderen da zu sein, als für sich, die sich von der väterlichen Weise der Selbsthingabe unterscheidet. Sie offenbart sich etwa in den Tagen der Schwangerschaft, aber auch in den Krankheitstagen ihrer Kinder - schnell ist sie bereit zu sagen: „Lieber leide ich als mein Kind …“

Im Alter schließlich wird eine Mutter oft erneut ihre Mutterschaft entfalten können, nun wiederum in geistiger Gestalt: in der Fürsorge für ihre Enkel und Urenkel. Die Rolle der Großmutter ist heute von höchster Bedeutung, da vielen jüngeren Frauen die mütterliche Würde ausgeredet wird, indem man sie als „Herdkarriere“ lächerlich macht. Von der Großmutter können Frauen und ihre Kinder wieder neu die Gabe der Mütterlichkeit lernen.

Die weibliche Würde blüht auf, wenn sie das ihr von Gott anvertraute Leben hütet und entfaltet. Die Mutter ist die erste Bezugsperson, die entscheidend das Fundament der Kinder legt.

Die meisten Menschen haben das Beten auf dem Schoß der Mutter (oder Großmutter) gelernt. Hier ist der Ort der ersten Glaubensverkündigung. Diejenige, die das Leben schenkt, ist gerufen, auch als Erste den Weg zum ewigen Leben zu weisen und mitzuarbeiten, dass ihre Kinder den Himmel erben.

Die Erziehung der Kinder ist eine vielseitige, fordernde Aufgabe, die manche Kinder an ihren Eltern erst im Erwachsenenalter zu schätzen wissen. In ihrer Hilfsbereitschaft und ihrer gütigen und steten Fürsorge gibt eine Mutter durch ihr Beispiel den Kindern bedeutende Eigenschaften mit ins Leben. Die Kinder brauchen das Vorbild der Mütterlichkeit – höchst wichtig für die ganzheitliche Entwicklung eines Kindes! Denn die Kinder von heute sollen die guten Mütter und Väter von morgen werden. Die deutsche Dichterin und Konvertitin Gertrud von Le Fort schreibt: „Kein späterer Einfluß wird jemals den Einfluß der Mutter ersetzen oder auslöschen können. Zu den Müttern herabsteigen heißt, die formende Bedeutung des weiblichen Einflusses auf den Mann überhaupt anerkennen: Wenn der Mann fällt, so fällt nur der Mann, aber wenn die Frau fällt, so fällt ein ganzes Volk.“

Die erzieherischen, formenden Aufgaben der Mutter sind zuweilen höchst fordernd, mitunter auch schier eine Überforderung. Das soll nicht verschwiegen werden. Umso dankbarer müssen die Kinder auf die Mutter blicken, auch großmütig Fehler verzeihend. Umso dringender ist aber auch der Ruf an die Mutter, sich im Gebet und Sakramentenempfang immer wieder neu erleuchten und stärken zu lassen, auf dass die alltägliche Pflicht nicht zur niederdrückenden Last werde. Oft stellt es eine Herausforderung dar, dass Mütter und Väter über Jahre keine Früchte des harten Ringens um ihre Zöglinge sehen können. Dies ruft nach dem Segen des Himmels, damit man in beharrlicher Hoffnung den guten Weg nicht verlässt, sondern der Verheißung, wie einst die hl. Monika, Glauben schenkt: „Die mit Tränen säen, werden mit Frohlocken ernten.“ (Ps 125,5)

In der täglichen Verehrung der allerseligsten Jungfrau Maria werden die Mütter eine Quelle für das Gelingen ihrer Berufung finden. Gott hätte auf vielerlei Weise Mensch werden können. Als er den Weg über eine Mutter wählte, wollte er damit auch die Mutterschaft heiligen, und die Würde aller Mütter neu erstrahlen lassen.

Der Herr wählte sich eine makellose Mutter aus, auch um die Frauen in ihrer Sendung zu bestärken, um ihnen ihren eigentlichen Platz im Heilswerk aufzuzeigen. In der unbefleckten Gottesmutter begegnet uns das Ideal der Frau und Mutter. Wie notwendig ist es daher für die Frau, die Gottesmutter Maria zu verehren, um die eigene Würde besser zu verstehen, um eine Fürsprecherin zu haben, die wirkmächtig helfen kann, auf dass sie selbst diesem Ideal immer näher komme. Die Verehrung Mariens kann eine Frau verwandeln, auf dass sie in ihrer von Gott geschenkten Weiblichkeit und Mütterlichkeit nach dem Plan Gottes geformt werde.

Bitten wir daher gerade auch im Marienmonat Mai, dass die Muttergottes allen Frauen helfe, den Plan des Schöpfers zu bewahren und dass sie den Männern beistehen möge, ihren Blick auf die Frau zu läutern und zu heiligen. In jeder Frau begegnet uns in gewisser Weise ein Abbild der Muttergottes, das nach Ehrfurcht und einem edlen, reinen Gegenüber ruft.

Wenn die Frau hingegen nicht mehr als Mutter geachtet wird, geschieht es leicht, dass sie zum Spielball egoistischer Interessen wird und für den Plan Gottes selbst erblindet, der allein den Menschen zum wahren Glück führen kann. „Gebt mir christliche Mütter, und ich werde die sinkende Welt retten“, ruft der hl. Papst Pius X. aus. Er zeigt damit die Achtung auf, welche die hl. Kirche schon in vergangenen Tagen den Frauen hat zukommen lassen. In unseren Tagen hingegen erklärt die Welt, früher seien die Frauen jeglicher Würde beraubt gewesen und jetzt sei die Zeit ihrer Befreiung gekommen. Die Geschichte des Christentums spricht hingegen eine andere Sprache: ebenso wie der heutzutage stetig wachsende Druck auf Mütter, einer Erwerbsarbeit nachzugehen, oder die immer krassere sexuelle und fortpflanzungsmedizinische Ausbeutung von Frauen (z. B. in der Leihmutterschaft) die feministischen Parolen von der „Befreiung“ als neue Form der Sklaverei entlarvt.

Treffend sagt der deutsche Dichter Friedrich Rückert (1788-1866): „Es mögen Männer Staaten bauen, es steht und fällt ein Volk mit seinen Frauen.“ Der Fall unserer Gesellschaft hängt wesentlich damit zusammen, dass die „Gender- Revolution“ die Schöpfungsordnung auf den Kopf gestellt hat: Die Frau soll nicht mehr Frau sein, der Mann soll sein Mannsein aufgeben. Wer die Gesellschaft retten möchte, muss daran arbeiten, dieser teuflischen Revolution entgegenzutreten, zuerst im eigenen Leben, in der Entfaltung der von Gott anvertrauten Berufung zur Mutter- bzw. Vaterschaft. Die schöpferische, gegenseitige Hinordnung von Mann und Frau, mit den jeweiligen ergänzenden Eigenschaften, besonders im Hinblick auf die Weitergabe und Erziehung des menschlichen Lebens, gilt es bewusst zu leben, in einer Gesellschaft, die die elementarsten Erkenntnisse der Natur und die göttlichen Gebote leugnet, beispielsweise durch die Infragestellung der Unauflöslichkeit der Ehe oder die sogenannte „gleichgeschlechtliche Partnerschaft“.

Es gibt also genügend Gründe - gerade in unserer Zeit - den „Muttertag“ zu begehen. Dieser Tag sollte nicht oberflächlich allein mit einem Blumenstrauß abgehakt werden. Er ist vielmehr Einladung, wieder neu zu entdecken, welche Würde der Frau als Mutter geschenkt ist. Diese zu entdecken, ist ein dringendes Anliegen, damit wieder Ehrfurcht vor der Frau und beständige Dankbarkeit gegenüber den Müttern zum Wohl der ganzen Gesellschaft wachsen mögen.

Diese Dankbarkeit ist Aufgabe für jeden Tag des Lebens. Sie kommt im täglichen Gebet für die Eltern zum Ausdruck. Und wenn im Alter die Eltern hilfsbedürftig werden, ist es dem christlichen Geist der Dankbarkeit geschuldet, ihnen im Rahmen der Möglichkeiten ebenso fürsorgend beizustehen, wie die Eltern, besonders die Mutter, ihre Kinder über viele Jahre beharrlich umsorgte.

Schließlich mögen all jene Kinder nicht ihre Eltern vergessen, die bereits durch den Tod voneinander getrennt worden sind: im Gebet für ihre Seelenruhe, in der Pflege ihrer Grabstätte bringen sie den ihnen gebührenden Dank dar.

Der Muttertag soll aber auch Einladung an die Frauen selbst sein, auf dass sie ihre eigene, vom Schöpfer zugedachte Rolle besser verstehen und zu verwirklichen suchen, um wahrhaft ein erfülltes Leben zu erlangen, das es ohne Gottes Gebote und ohne die Hingabe an die Vorsehung nicht geben kann. Der eingangs erwähnte Gedanke des hl. Augustinus gibt uns den rechten Blick auf unsere eigene Mutter und die Frau an sich: „Alles, was ich bin, verdanke ich meiner Mutter.“

P. Dieter Biffart FSSP

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