REKTORATSKIRCHE ST. SEBASTIAN - SALZBURG
PRIESTERBRUDERSCHAFT ST. PETRUS

„Sei du ein Segen!“

Nach dem Empfang der Weihe spenden die Neupriester in den kommenden Monaten den Primiz­segen. Ein willkommener Anlaß, über den Wert des Segens nachzudenken.

„Für einen Primizsegen muß man sich die Schuhsohlen ablaufen oder ein Pferd durchreiten!“, so lautet ein alter Spruch, der in unserer Zeit wohl die Sohlen gegen Autoreifen und die Pferde gegen Pferdestärken eintauschen müßte… Unabhängig davon zeugt diese Volksweisheit von der gläubigen Wertschätzung, die dem (neu-)priesterlichen Segen entgegengebracht wird. Das Segnen gehört zu den bedeutendsten Aufgaben priesterlichen Handelns, heißt es doch in der bischöflichen Ermahnung vor der Priesterweihe bereits an zweiter Stelle: „Der Priester muß nämlich opfern, segnen, vorstehen, predigen und taufen.“ Nach der eigentlichen Weihehandlung werden dem Priester dafür eigens die Hände gesalbt, „damit alles, was sie segnen werden gesegnet sei, und was sie weihen werden geweiht und geheiligt sei; im Namen unseres Herrn Jesu Christi.“ In Seinem Namen und in Seiner Vollmacht segnet der Priester und setzt damit das Erlösungswerk fort: „Dann führte er sie nach Bethanien hinaus, erhob seine Hände und segnete sie“ (Lk 24,51). Alle und alles sollen vom göttlichen Segen befruchtet werden. Ohne Seinen Segen hingegen „mühen sich die Bauleute umsonst und wachen die Wächter vergebens“ (vgl. Ps 126,1-3). Weder sollen daher die Priester im Segnen müde werden noch die Gläubigen darin nachlässig, ihn zu erbitten.

Gott ist stets bereit, überreichlich zu geben, aber wenn der Mensch nicht das Herz öffnet, versperrt er sich selbst die himmlischen Wohltaten. Im Segnen wird hingegen aus dem Quell geschöpft, der auf Golgotha erschlossen worden ist. Deshalb wird der Segen im Zeichen des Kreuzes gespendet und dabei der Dreifaltige Gott angerufen, ist Er doch ewiger Ursprung alles Guten.

In jedem Segen sind die grundlegendsten Glaubensgeheimnisse enthalten: Dreifaltigkeit und Kreuz. Er ist daher gläubiges Bekenntnis und gleichzeitig Frucht dieses Glaubens.

Die Katholiken sind gerufen, die segnende Haltung, mit der die Kirche alles zu umfangen und zu heiligen sucht, in ihrem Alltag nachzuahmen: Beginnen wir den Tag mit dem Segenszeichen des Kreuzes, verlassen wir nicht das Haus, ohne uns mit Weihwasser gesegnet zu haben. Die Eltern sollen ihre Kinder segnen. Welche Kraft liegt gerade darin, wenn wir Isaaks Segen über Jakob bedenken (vgl. Gen 27,26ff.)! Marginalie 1

Je bereitwilliger der Gläubige seinen Alltag vom Segen befruchtet läßt, desto mehr wird ihm bewußt, daß er in allem von Gott abhängt: „Ohne mich könnt ihr nichts tun“ (Joh 15,5). In unserer Zeit ist das Bewußtsein dieser existentiellen Abhängigkeit beinahe ausgelöscht worden. Früher betete man um gedeihliches Wetter, heute versichert man sich gegen Hagel und Ungewitter. Das Geschöpf hat auf verschiedenste Weise einen Babelturm errichtet, in dem es sich abgesichert meint. Und mancherorts sind die kirchlichen Vertreter im Gleichschritt mit dem gesellschaftlichen Fortschritt mitgegangen. Bittprozessionen wurden gekürzt oder abgeschafft, der Wettersegen fiel der Wettervorhersage zum Opfer… Man wähnt sich in Sicherheit und sieht nicht, wie ohnmächtig der Mensch trotz all seiner Berechnung immer noch ist. Durchbrechen wir in unserem Lebensbereich diese verhängnisvollen Entwicklungen! Das treu verrichtete Tischgebet mit der Segensbitte ist ein wichtiger Schritt dahin. Wäre es nicht aus diesem Grund bedenkenswert, überall den alten Brauch wieder aufleben zu lassen, das Brot vor dem Aufschneiden mit drei Kreuzen zu bezeichnen? „Unser tägliches Brot gib uns heute.“

Segen und Fluch legte Moses dem Volk Israel zur Wahl vor (vgl. Dtn 11,26). Den Segen wählen auch wir, wenn wir Ihm in Treue zu Seinen Geboten folgen und um Seinen Segen bitten.

Diesen Segen wollen wir nicht allein für uns und unsere Familien erflehen. „Gott segne unser Vaterland!“, „Gott segne meine Freunde und Feinde, mein Hab und Gut, alle Menschen guten Willens, die Mächtigen und die Hilflosen.“ Zweifelsohne würde die Welt anders ausschauen, wenn die Christen Gott unablässig mit der Bitte um Segen bestürmen würden. Seitenansprache 1 Auch manche Lieblosigkeit, Hader und Streit, Mißgunst und Neid wären versiegt, wenn der Ringende seinem Gegenüber immer wieder ein Herzensgebet zurufen würde: „Gott segne Dich!“ Vor Begegnungen können wir dieses kurze, kräftige Stoßgebet ebenso verrichten. Unruhe, Enttäuschung, Versuchung können durch diese Segensbitte in das Licht Gottes gestellt werden. Wer Segen für andere erbittet, wird erfahren: er selbst wird gesegnet. Gott läßt sich an Großzügigkeit nicht übertreffen. Der Segen hat die Kraft, menschliche Beziehungen zu verwandeln und für das ewige Leben fruchtbar werden zu lassen.

Wer Segen erbittet, wird Gnade empfangen. Deshalb gehört an das Ende des Segens ein Dank: „Einen Teil von Gottes Segen / leg zurück in Gottes Hände, / solch ein Dank wird Ihn bewegen, / daß er neuen Segen spende“ (Peter Soemer).

Folgen wir der Verheißung, die einst dem Abraham zuteil wurde: „Ich will dich zu einem großen Volke machen und dich segnen und deinen Ruhm erhöhen; sei du ein Segen“ (Gen 12,2)!

P. Dieter Biffart FSSP

© Priesterbruderschaft St. Petrus, Salzburg - Österreich